1 bruder markus forsterEin Zeitungsartikel aus der Passauer Neuen Presse ( PNP vom 19.07.2011 ) Interview: Elke Fischer

Schweiklberg. Es ist die schlimmste Dürre seit 60 Jahren, Millionen von Menschen in Ost-Afrika sind auf der Flucht. Besonders betroffen sind Kenia, Somalia, Äthiopien und Uganda. Wie es im Nachbarland Tansania aussieht, darüber sprachen wir mit dem Missionar Bruder Markus (66), der zur Zeit auf Heimaturlaub in Kloster Schweiklberg ist.

Wie ist die Lage in ihrer Missionsstation in Kilimahewa?

Bruder Markus: Glücklicherweise ist Tansania nicht so schwer betroffen, weil es doch immer wieder mal geregnet hat. Wir rechnen aber damit, dass viele Flüchtlinge aus den Nachbarländern Kenia und Uganda zu uns kommen werden.

Trinkwasser ist in den afrikanischen Ländern eines der größten Probleme. Das haben Sie in Kilimahewa durch den Bau einer Wasserpumpstation mittlerweile gut im Griff.

Ja, das war eine der größten Leistungen in unserer 100-jährigen Missionsgeschichte. Fieberhaft haben wir in die Tiefe gebohrt, bis es geglückt ist. Seit einem Jahr haben wir nun eine Pumpstation mit einem Brunnen in 130 Metern Tiefe, der für rund 7000 Menschen im Umkreis erstklassiges Trinkwasser liefert.

Wie haben die Leute darauf reagiert?

Natürlich haben sie sich gefreut. Anfangs waren sie aber auch etwas skeptisch, weil sie nun dafür bezahlen müssen, 3 Cent für einen 20 Liter-Eimer, wovon die Hälfte des Geldes das Dorf bekommt, die andere für Reparaturen zurückgelegt wird. Die Menschen sind nämlich der Auffassung, dass Gott das Wasser den Menschen schenkt. Aber mittlerweile haben sie verstanden, dass sauberes Wasser etwas kostet und sind sehr dankbar. Wir verlangen deshalb etwas, weil wir die Menschen nicht zu Bettlern erziehen wollen. Und auch in Afrika gilt: Alles, was geschenkt ist, taugt nichts. Die Erkrankungen sind übrigens seit dem Brunnenbau besonders bei Kindern stark zurückgegangen. Früher haben die Menschen in Erdlöchern nach Wassern gebohrt. Was da raus kam, war braun wie Kaffee.

Wie haben Sie es geschafft, diese große Investition zu schultern?

Durch Spenden. Gerade in Vilshofen ist die Bereitschaft vieler sehr groß. Besonders dem Architekten Tilman Ott, der uns seit 20 Jahren unterstützt und zweimal im Jahr selbst nach Tansania kommt, kann man nicht genug danken. Ob beim Bau von Kirche, Hospital, Kindergärten oder Pumpstation − er hat uns sehr geholfen. Aber auch der Rotary Club Vilshofen hat gespendet und ich freue mich, dass ich nun Karl Segl, den bisherigen Präsidenten des Clubs, kennenlernen durfte, der uns darüber hinaus mit Werkzeugen unterstützt und mich mit vielen Leuten bekannt gemacht hat. Auch Egon Zillinger und Oskar Bachhuber gehören zu den Säulen, die durch ihren tatkräftigen Einsatz vor Ort immer wieder dafür sorgen, dass in unserer Station etwas vorangeht. So hat Glasermeister Zillinger das Kirchenfenster eingesetzt, Berufsschullehrer Bachhuber unseren Schreinern einige Kniffe beigebracht, übrigens auf gebrauchten Maschinen, die aus der Schreinerei Kovarik aus Alkofen stammen.

Stellen Sie durch die Verbesserungen in der Infrastruktur eine Veränderung in der Lebenseinstellung der Menschen fest?

Auf jeden Fall. Die Leute sind unglaublich dankbar für die Neuerungen. Obwohl sie immer noch in Armut leben, sind sie viel zufriedener als die Europäer − das ganze Gegenteil zu Deutschland, wo immer nur gejammert wird.

Was ist Ihr nächstes Projekt?

Wir bauen gerade eine Aidsklinik. Der Rohbau steht schon, Ende des Jahres soll das Gebäude fertig sein. Außerdem wollen wir einen weiteren Kindergarten errichten, weil einer der vier aus allen Nähten platzt. Bis vor kurzem hatten wir dort 40 Kinder, jetzt sind es 180.

Woran liegt das?

Die islamistisch geprägte Gesellschaft hatte zunächst Bedenken, die Kinder in einen katholischen Kindergarten zu schicken. Als die Eltern aber merkten, dass die Kindergartenkinder in der Schule große Vorteile hatten, hat ein regelrechter Boom eingesetzt. Dass Ausbildung der Schlüssel zum Leben ist, hat mittlerweile eine große Bedeutung. Darüber hinaus ist die Mission viel toleranter geworden. Man will die Leute nicht mehr bekehren. Jeder kann nach seinem Glauben leben. In Tansania gibt es keine Staatsreligion. Das ist ein Grund, warum die Menschen hier sehr friedlich zusammenleben.Sie sind seit 30 Jahren in Afrika. Was hält Sie dort?

Die Tatsache, dass man dort wirklich helfen kann. Das ist eine große Freude für einen selbst, das gibt dem Leben Sinn. Tansania ist zu meiner Heimat geworden. Alle zwei Jahre komme ich für drei Monate nach Deutschland, um Reparaturmaterial, Ersatzteile zu besorgen und auch um Freunde, Helfer und Sponsoren zu besuchen, neue Kontakte zu knüpfen. Wenn dann noch Zeit bleibt, fahre ich gerne zu meiner Verwandtschaft nach Österreich und Südtirol. Die Berge fehlen mir schon in Afrika, dennoch stellt sich nach drei Monaten immer das Gefühl ein, dass es Zeit wird, wieder nach Hause zu fahren.

Vorher unternehmen Sie noch einen Hungermarsch zusammen mit Abt Rhabanus.

Ja, am kommenden Sonntag werden wir in Loiching bei Dingolfing, wo mein Vorgänger in Tansania, Bruder Thomas, herstammt, einen Hungermarsch antreten. Abt Rhabanus hat die Schirmherrschaft übernommen. Das ist eine gute Sache, sie findet im Rahmen eines Pfarrfestes statt. Zum Hungermarsch gehört auch, dass die Besucher ordentlich essen, damit Geld in die Kasse kommt gegen den Hunger in Afrika.

Wer die Aktivitäten von Bruder Markus unterstützen möchte, kann sich an Tilman Ott wenden, der den Verein Kilimahewa − Hilfe für Tansania e.V. gegründet hat ( 08541/96111). Die Kontonummer lautet: 101613, BLZ 740 924 00. Spendenquittungen werden auf Wunsch ausgestellt.

 

 



 

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