Liebe Schwestern und Brüder,

„Ein freundliches Wort geht über die beste Gabe“ – so steht es in der Regel des heiligen Benedikt. Und mit diesem Zitat aus dem Kapitel über den Cellerar, der Mönch, der für die wirtschaftlichen Dinge im Kloster zuständig ist – mit diesem Zitat legt der heilige Benedikt dem Cellerar nahe: Wenn ein Mitbruder um etwas bittet und du bist nicht in der Lage es ihm zu geben, dann schenke ihm ein gutes Wort, gibt ihm ein gutes, freundliches Wort mit auf den Weg. Das Gespräch soll im Guten enden, der Mitbruder soll nicht traurig werden, weil ihm eine Bitte nicht erfüllt werden kann. Zu dieser Haltung ermutigt auch der heilige Augustinus wenn er sagt: „Wenn du geben kannst, dann gib, wenn du nicht kannst, erzeige dich freundlich.“

„Ein freundliches Wort geht über die beste Gabe“ – das schafft eine gute Atmosphäre und es hilft uns zu leben, es tut gut und es bewirkt etwas in uns, in unserm Innern, in unseren Herzen und in unseren Seelen.

Liebe Schwestern und Brüder, schauen wir doch einmal auf unser Leben und fragen wir uns an dieser Stelle: Gibt es auch in meinem Leben freundliche, gute Worte, die ich bis heute nicht vergessen habe? Gibt es Worte, die ich wie einen kostbaren Schatz in mir trage? Vielleicht sind es freundliche Worte, die die Mutter mir zugesprochen hat. Vielleicht sind es gute Worte, die mir der Vater geschenkt hat. Worte eines Menschen, der mir viel bedeutet, der treu an meiner Seite steht. Worte eines Freundes oder einer Freundin.

Menschen, die uns gute und freundliche Worte geschenkt haben, sind Menschen, die für uns zum Segen geworden sind. Denn segnen im Lateinischen heißt benedicere – Gutes sagen.

Mehr als ein freundliches Wort ist das, was wir heute im Evangelium gehört haben. Jesus ist auf dem Berg Tabor und er ist in Begleitung. Petrus, Jakobus und Johannes sind mit dabei. Und auf diesem Berg erleben sie etwas, was sich tief in ihr Leben eingewoben hat. Christus erstrahlt im Göttlichen Licht und in dieser Sternstunde ihres Lebens hören sie die Stimme aus der Wolke: „Das ist mein geliebter Sohn; auf ihn sollt ihr hören.“

Das ist mehr als ein freundliches Wort, das ist eine wertvolle Gabe. Sich geliebt zu wissen und zu spüren: Ich habe einen Platz in deinem Herzen – das kann man nicht mit Gold aufwiegen, das ist unbezahlbar. Für Jesus Christus – so empfinde ich es - war dieses Wort von einer ganz besonderen Tragweite. Denn er weiß, dass er nicht auf dem Berg bleiben kann. Er muss hinunter ins Tal und seine Begleiter mit ihm. Der Weg, der jetzt vor ihm liegt – der Weg führt nach Jerusalem und dort wird er vieles erleiden und erdulden müssen, dort wird er schließlich zu Tode gebracht. Dort geht er durch das Leid – wie auch wir immer wieder durch das Leid gehen müssen. Es wird wohl keiner von uns verschont. Natürlich hätten wir es gerne anders und auch Jesus hat es nicht aus sich heraus gewollt. Aber er weiß, dass er der geliebte Sohn ist und so spricht er: Dein Wille geschehe.

Wenn ich an den Berg Tabor denke und an die Verklärung des Herrn – das Erfülltsein im göttliches Licht – und wenn ich dann an Jerusalem denke, an den Golgotha und an die Grausamkeit der Menschen, dann verstumme ich immer wieder vor dem Geheimnis des Bösen. Vielleicht kennen sie auch dieses Gefühl. Wir können noch so oft fragen: Warum? Aber wir werden nicht auf alles eine Antwort bekommen. Vielleicht ist es sogar vieles, was verborgen bleibt.

Das Verstummen kann aber nicht unsere Haltung sein. Als Christen sind wir ja von Jesus selbst gerufen, Licht der Welt und Salz der Erde zu sein. Und das soll uns auch heute ermutigen, dieses Wort Wirklichkeit werden zu lassen, Gutes zu tun, Gutes zu sagen und einander freundlich und friedvoll zu begegnen.

All der Krieg, all der Terror mit den unzähligen getöteten Menschen und die verwundeten Hinterbliebenen, deren Herzen traurig sind und deren Wunden lange nicht heilen werden – dem können wir doch nicht tatenlos zusehen.

Sind wir nicht vielmehr gerufen, unser Bestes zu tun, an einer Welt mitzubauen, die dem Guten Raum schafft und immer wieder die Dunkelheit vertreibt?

Dankbarkeit empfinde ich, wenn ich an all die Menschen denke, die aus christlicher Haltung der Welt ein freundliches Gesicht geben. Die durch gute Worte trösten und Hoffnung wecken. Die treu an der Seite vieler Menschen stehen, die Hilfe brauchen und auf andere angewiesen sind. Die auf ihre Weise Licht in die Welt bringen und so dem Todesschatten trotzen. Viele sind es, die unbemerkt aber stetig durch ihr Wirken zum Segen werden. Und das soll uns dankbar und zuversichtlich stimmen und es soll uns ermutigen, Gleiches zu tun.

Liebe Schwestern und Brüder, das Taborereignis, der Weg Jesu nach Jerusalem, sein Leiden und Sterben und Auferstehen – das ganze Geschehen zeigt uns schließlich, dass Gott größer ist als alle von Menschen verursachte Nacht. Es ermutigt uns, Licht in diese Welt zu bringen und auch dann nicht zu verzagen, wenn wir selbst das Kreuz erfahren, wenn es in unserem Leben schwere Zeiten gibt, Situationen, die uns belasten und die uns herausfordern. Vieles können wir nicht verändern, aber wir können glauben und hoffen und darauf vertrauen, was Johannes vom Kreuz einmal in die Worte gefasst hat: „Durch Leiden und Kreuz zur Herrlichkeit der Auferstehung.“ So lasst uns voll Zuversicht und Freude Ostern entgegen gehen. Amen.

 

 

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