Julian Drexler (33) ist neuer Leiter der Klostergärtnerei – Besonders der Radi ist gefragt

Drexler Julian"Es ist gut angelaufen." Das sagt Julian Drexler (33) in zweifacher Hinsicht. Zum einen, was den Verkauf der Klostergärtnerei Schweiklberg betrifft, der seit 1. März jeden Dienstagvormittag und Freitagnachmittag wieder geöffnet hat. Zum anderen, was seinen Einstieg in den Betrieb angeht. Beworben hatte er sich als "normaler" Gärtner, eingestellt wurde er im Oktober 2020 als neuer Leiter der Gärtnerei. Sein Vorgänger hatte sich anders orientiert und die Gärtnerei nach kurzer Zeit wieder verlassen. Gleich "Chef" eines kleinen Teams zu sein, kam unerwartet für Julian Drexler, die Verantwortung für den Betrieb fühlt sich für ihn natürlich an – und so kommt er auch rüber.

Die letzten Jahre war der gebürtige Passauer sein eigener Chef. Nach seiner Schulzeit machte er ab 2007 im portugiesischen Alto Alentejo, einer Region an der spanischen Grenze, eine Ausbildung zum Gärtner – und blieb hängen. "Es hat einfach gepasst. Ich war auf einer kleinen Farm, auf der wir auch Ziegen hatten und weitgehend als Selbstversorger lebten", erzählt Julian Drexler, "es war eine selbstständige Arbeit auf dem Land, sehr vielfältig und breitgefächert. Ich habe zum Beispiel auch Oliven geerntet, zur Ölmühle gebracht und dann das Öl verkauft."

Und doch hat es Julian Drexler Ende 2019/Anfang 2020 wieder nach Hause gezogen, zurück zu den Wurzeln. Er ließ sich bei Passau nieder – und bewarb sich auf eine Stelle bei der Klostergärtnerei Schweiklberg. Von deren Ziel, den Betrieb auf "Bio" umzustellen, fühlte er sich sofort angesprochen. Mindestens drei Jahre wird der Prozess dauern, die erste Prüfung war im Februar.

"Bio ist die konsequente Art, Gartenbau zu betreiben. Krankheiten und Schädlinge kommen nicht ohne Grund. Ich will mit der Natur arbeiten, und nicht mit chemischen Keulen dagegen. Und die Produkte sind gesünder", sagt der leidenschaftliche Gemüsebauer. In dem beheizten, rund 1000 Meter großen Gewächshaus und den zwei Folienentunneln bauen er und sein Helfer die ganze Bandbreite an. Kopfsalat, Rukola, Pak Choi, Spinat, Kohlrabi, Gelbe Rüben, Kräuter, Radieschen. "Vor allem den Radi reißen uns die Leute aus der Hand. Sogar die Pflänzchen, die wir in Bechern aus Torf verkaufen", erzählt Julian Drexler begeistert, ",mir war diese Technik auch neu. Einerseits gibt der Becher dem Radi eine schöne Form vor, andererseits beginnt die Zersetzung des Bechers, sobald man ihn in die Erde stellt."

Am liebsten mag Drexler die Tomaten und Zucchini, die bald das große Gewächshaus füllen werden: "Da trägt die Arbeit schnell Früchte."

Schnell gehen muss es immer wieder auch während der Verkaufszeiten (Dienstag von 9 bis 13 Uhr und Freitag von 13 bis 16 Uhr): Während im renovierten, lichtdurchfluteten Verkaufsraum Verkäuferin Silvia Berger die Kunden bedient, haben Julian Drexler und sein Helfer alle Hände voll zu tun, um auf Zuruf "Nachschub" zu ernten. "Wir verkaufen direkt vom Beet das, was der heimische Boden hergibt. Frischer geht’s nicht", stellt der 33-Jährige fest. Die wichtigste Aufgabe sei, alles so zu managen, dass die Abläufe stimmen und dass jede Pflanze das bekommt, was sie braucht. "Wenn’s im Garten stimmt, läuft es auch wirtschaftlich", so seine Überzeugung.

Das ist im Sinne von Kloster-Cellerar Bruder Clemens: "Wir sind ein katholischer Orden in der Kirche, hängen aber nicht in deren Struktur. Deswegen bekommen wir keine Regelzuweisungen aus der Kirchensteuer und müssen selber schauen, dass wir Einnahmen erzeugen."

Vor Corona produzierte die Klostergärtnerei ihr Gemüse hauptsächlich für die Gäste im Seminarhaus der Benediktiner-Abtei, die Schüler der Nachmittagsbetreuung, die Mitarbeiter und Mitglieder des Konvents. Aktuell essen in der Küche nur 25 Konvent-Mitglieder und Mitarbeiter. Deshalb bleibt Gemüse übrig und der Verkauf gewinnt an Bedeutung. Im neu eingerichteten Laden gibt es neben Gemüse, Zierpflanzen und etwas Deko auch Schweiklberger Honig und Melissengeist, der in der Region in vielen Hausapotheken zu finden ist.

Die eigenen Erzeugnisse zu verkaufen, praktisch zu denken, unkompliziert an die Sachen heranzugehen, hat Julian Drexler in seiner Zeit in Portugal gelernt. Das Zurückkommen in die Heimat sei keine große Umstellung gewesen, sagt er, er sehe viele Parallelen. Auch Niederbayern sei relativ dünn besiedelt, habe sich eine schöne Natur erhalten – und eine gesunde Bodenständigkeit.

Foto oben: Liebt seine Arbeit im Grünen: Julian Drexler. Mit einem Vollzeit-Helfer und einer Verkäuferin, die zwei Mal die Woche stundenweise kommt, wuppt er die Klostergärtnerei. Sie könnte noch Unterstützung gebrauchen, wie Bruder Clemens erklärt.    -Bericht und Foto: Simone Kuhnt - PNP vom 16.03.2021-

 

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