br sebastian am jakobswegvon Helmuth Rücker - PNP vom 9.6.2017

Er ist noch ganz beseelt von seiner Pilgerschaft. Die Augen strahlen, die Erzählungen sprudeln nur so aus ihm heraus. "Ich bin so glücklich", sagt Bruder Sebastian. Seit über 30 Jahren lebt er im Kloster Schweiklberg, ist dort Schreiner. Vor wenigen Tagen ist er von seiner Pilgerwanderung auf dem Jakobsweg zurückgekehrt.

Ihm geht es nicht anders als Hape Kerkeling, der nach seiner Pilgerreise berauscht von den Gefühlen das Buch "Ich bin dann mal weg" schreiben musste. Bruder Sebastian macht es allerdings ein wenig bescheidener. Er hat im Foyer des Klosters eine Stellwand mit Fotos, Notizen, Karten und anderen Utensilien bestückt. Seine Wanderschuhe baumeln daran, an der anderen Seite steht sein großer Rucksack, daneben die beiden handgeschnitzten Gehstöcke. Er selbst sitzt an einem der Tische und betrachtet im Laptop die 3000 Bilder. Zum Sortieren ist er noch nicht gekommen.

"Es ist nicht zu glauben", sagt der 54-Jährige. "Kaum war ich losmarschiert, war alles weg im Kopf. Das Leben im Kloster, die Dienstpläne, der Alltag – ich habe nach zwei Tagen eine unbeschreibliche Freiheit in mir verspürt. Das war so eine Freude!" Er hatte zwar sein kleines Reise-Brevier im Gepäck, "aber das brauchte ich nicht. Ich habe mit dem Herzen gebetet. Ich konnte mit Jesus reden wie mit einem Freund." Als Mönch ist er geübt in Spiritualität, ihm bedeutet der Glaube sehr viel, er gibt ihm Kraft, "doch diese spürbare Begegnung von Angesicht zu Angesicht mit Jesus war sehr beglückend".

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